Das Doppelparadox
Lernziele
- check_circle Scheinbar widersprüchliche Datenreihen erklären
- check_circle Pragmatische von strikter Neutralität unterscheiden
Aufwand
Baut auf dem Modul «Was denkt die Schweiz?» auf.
Zur Erinnerung: die zwei Reihen
| Jahr | «Neutralität beibehalten» | «Der NATO annähern» |
|---|---|---|
| 2021 | — | rund 45 % |
| 2022 | 97 % | — |
| 2023 | 91 % | 55 % |
| 2024 | 91 % | 52 % |
| 2025 | 87 % | 53 % |
| 2026 | 85 % | 56 % |
Ein «—» heisst: für dieses Jahr liegt uns kein publizierter Wert vor. Die eine Reihe sinkt, die andere steigt, und beide stammen von denselben Befragten. Zur Einordnung: Im Durchschnitt seit 1989 lag die Zustimmung zur Neutralität bei 89 Prozent. Und 59 Prozent sagten 2026, die Neutralität sei militärisch nicht mehr glaubhaft schützbar.
Quelle: ETH-Studien «Sicherheit» 2021–2026 (Center for Security Studies / Militärakademie an der ETH Zürich) — css.ethz.ch
Verständnisfragen — die zwei Reihen
Frage 1 von ?Was zeigt die Reihe zur Neutralität zwischen 2022 und 2026?
Neutralität sinkt, NATO-Annäherung steigt. Wie lässt sich das erklären?
59 Prozent sagten 2026, die Neutralität sei …
Die Zustimmung zur NATO-Annäherung war 2026 mit 56 Prozent so hoch wie nie zuvor gemessen.
Im Durchschnitt seit 1989 lag die Zustimmung zur Neutralität bei 89 Prozent. Der Wert von 2026 liegt also unter dem langjährigen Schnitt.
Aus der Tabelle folgt, dass 2026 eine Mehrheit der Bevölkerung die Neutralität abschaffen wollte.
Umfrage
Und du: Kann beides gleichzeitig stimmen, an der Neutralität festhalten wollen und sich der NATO annähern wollen?
Die Forschung hat auf diese Frage eine klare Antwort: Für die meisten Befragten ist das kein Widerspruch. Eine grosse Studie vom Januar 2026 (Sotomo) kam zum Schluss, die Bevölkerung wolle eine pragmatische, undogmatische Neutralität: festhalten am Prinzip, aber flexibel in der Auslegung. Genau um diese Auslegung streiten die beiden Lager, die du in den nächsten zwei Modulen hörst.
Quelle: Studie des Instituts Sotomo im Auftrag des Vereins «NeutRealität», publiziert Januar 2026